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Conway: Anthropics KI arbeitet jetzt auch ohne dich

Anthropics Conway ist ein Always-On-Agent mit eigener Cloud, Plugin-System und 24/7-Autonomie. Was der Leak über die Zukunft autonomer KI verrät.

Conway: Anthropics KI arbeitet jetzt auch ohne dich

Ende März 2026 landeten versehentlich über 512.000 Zeilen Quellcode von Anthropic im öffentlichen npm-Register. Ein Verpackungsfehler während eines schnellen Release-Zyklus legte die gesamte interne Roadmap offen. Darunter: ein Projekt mit dem Codenamen Conway. Es handelt sich um einen dauerhaft aktiven KI-Agenten, der das Konzept von Chatbots grundlegend verändern soll.

Was ist Conway?

Conway ist ein sogenannter Always-On-Agent. Statt auf Eingaben zu warten, arbeitet er eigenständig im Hintergrund. Anthropic bezeichnet ihn intern als "digitalen Zwilling" (Cyber Twin), der sich tief in das System des Nutzers integriert. Die KI entscheidet selbst, wann sie aktiv wird: etwa um nachts Finanzberichte auszuwerten und morgens eine fertige Zusammenfassung bereitzustellen. Das Paradigma verschiebt sich damit fundamental. Bisher galt: Der Nutzer fragt, die KI antwortet. Conway funktioniert anders: Die Welt verändert sich, die KI nimmt es wahr, die KI handelt autonom. Diese Entwicklung steht im Kontext einer breiteren Bewegung hin zu autonomen KI-Agenten in der Softwareentwicklung, die zunehmend eigenständig komplexe Aufgaben bewältigen.

Die wichtigsten Funktionen

Conway bringt eine Reihe technischer Neuerungen mit, die weit über einen klassischen Chatbot hinausgehen: • Eigene Benutzeroberfläche: Conway existiert nicht mehr im gewohnten Chat-Fenster. Stattdessen agiert er aus einer eigenen Sidebar-Instanz auf dem Computer oder im Browser. • Webhooks und Ereignis-Trigger: Externe Dienste können die KI jederzeit "aufwecken". Eingehende E-Mails, API-Aufrufe oder Datenänderungen lösen automatisch Aktionen aus. • Browser-Integration: Conway verbindet sich direkt mit Chrome und kann eigenständig Aufgaben im Internet ausführen. • Erweiterungs-Ökosystem (.cnw.zip): Ein eigenes Plugin-Format ermöglicht die Installation benutzerdefinierter Tools, neuer UI-Tabs und Kontext-Handler. Im Grunde ein App-Store für KI-Agenten.

Conway Cloud: Eigene Infrastruktur für den Agenten

Besonders ambitioniert ist die Conway Cloud. Sie gibt dem Agenten Zugriff auf echte Cloud-Infrastruktur: • Linux-VM-Sandboxes: Conway kann eigenständig isolierte virtuelle Maschinen erstellen und verwalten, in denen generierte Programme laufen. • Interaktive PTY-Sessions: Die KI bewältigt interaktive Workflows über Pseudoterminals, etwa die Arbeit mit REPLs oder textbasierten Editoren. • Ports und Domains: Innerhalb einer Unterhaltung kann Conway Ports nach außen freigeben und sogar eigenständig Domains registrieren. Der Zugang erfolgt über die Plattform app.conway.tech. Dort wird ein API-Schlüssel generiert, der Conway als MCP-Server (Model Context Protocol) mit Claude Code verbindet. Ein automatisiertes Setup-Skript übernimmt die gesamte Konfiguration mit einem einzigen Befehl.

Anthropics Drei-Stufen-Strategie

Conway ist kein isoliertes Projekt. Es bildet zusammen mit Claude Code und Cowork ein zusammenhängendes Ökosystem mit unterschiedlichen Zielgruppen und Autonomiegraden: 1. Claude Code richtet sich an professionelle Entwickler. Es ist ein hochpräzises Spezialwerkzeug für Code-Generierung, Debugging und Optimierung. Intern wird es mit einem "Scharfschützen-Zielfernrohr" verglichen. 2. Cowork ist der generalistische Agent für nicht-technische Angestellte. Er automatisiert Büroaufgaben in Excel, PowerPoint, E-Mail-Clients und Browsern. Die Zielgruppe: die rund 95 Prozent der Belegschaft, die nicht aus der Softwareentwicklung kommen. 3. Conway bildet die Spitze der Autonomie. Im Gegensatz zu Cowork muss hier niemand am Computer sitzen. Conway agiert vollständig eigenständig und rund um die Uhr. Die Strategie dahinter ist klar: Anthropic will vom Nischenwerkzeug für Entwickler zur breiten Plattform werden. Das Ziel ist nicht weniger als ein neues KI-Betriebssystem.

Conway vs. OpenClaw: Zwei unterschiedliche Ansätze

| Merkmal | Conway (Anthropic) | OpenClaw | | --- | --- | --- | | Architektur | Nativ auf Claude-Modellen aufgebaut | Multi-Modell-Ansatz mit Drittanbieter-Modellen | | Stärke | Webhooks, Cloud-Sandboxes, eigenes Erweiterungs-Format | Visuelle Steuerung, breite Modellunterstützung | | UI-Ansatz | Eigene Sidebar-Instanz, losgelöst vom Chat-Fenster | Visuelles Dashboard | | Cloud | Eigene Conway Cloud mit Linux-VMs, PTY-Sessions | Keine eigene Cloud-Infrastruktur | | Modelle | Exklusiv Claude-Modelle von Anthropic | Multi-Modell mit optimierten Drittanbietern | Kurz zusammengefasst: Conway setzt auf Tiefe und ein geschlossenes Ökosystem. OpenClaw setzt auf Breite und visuelle Steuerung. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, bedienen aber unterschiedliche Philosophien.

Die Risiken: Autonomie hat ihren Preis

So beeindruckend die Möglichkeiten klingen, so ernst sind die offenen Fragen. Ein Agent, der rund um die Uhr Zugriff auf persönliche Systeme, E-Mails und Cloud-Infrastruktur hat, wirft massive Fragen auf: • Datenschutz: Conway benötigt ständigen Zugriff auf vertrauliche Daten, um autonom arbeiten zu können. • Kontrollverlust: Fehler während autonomer Arbeitsprozesse sind schwerer sofort zu erkennen als bei einem Chatbot, der auf Anweisungen wartet. • Sicherheit: Die tiefe Systemintegration und die Fähigkeit, eigenständig Domains zu registrieren und Code auszuführen, vergrößern die Angriffsfläche erheblich. Diese Herausforderungen sind vergleichbar mit den Entwicklungen im Bereich Vibe Coding, wo autonome Code-Generierung ebenfalls neue Kontrollmechanismen erfordert.

Verfügbarkeit und Preise

Conway befindet sich aktuell im internen Teststadium bei Anthropic. Offizielle Preise oder ein Veröffentlichungsdatum gibt es nicht. Die Conway Cloud deutet mit ihrem API-Schlüssel-System auf eine nutzungsbasierte Abrechnung hin. Der Namenspatron Conway's Game of Life passt dabei symbolisch: ein System, das nach einfachen Regeln komplexe, autonome Muster erzeugt.

Fazit

Der Leak war unbeabsichtigt, die Richtung ist es nicht. Anthropic arbeitet an einer Zukunft, in der KI nicht mehr auf Eingaben wartet, sondern eigenständig handelt. Conway ist der bislang ambitionierteste Schritt in diese Richtung: ein autonomer Agent mit eigener Cloud-Infrastruktur, Plugin-System und 24/7-Verfügbarkeit. Ob das die Zukunft der Produktivität ist oder der Beginn eines Kontrollproblems, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Die Ära der passiven Chatbots neigt sich dem Ende zu.

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