Diagram Design: 39 Diagrammtypen gegen Mermaid-Slop im Technikcheck
Diagram Design im Technikcheck: 39 Diagrammtypen, Mermaid-Import, Installation, Tests, Risiken und die klare Grenze zum Diagram-as-Code.
Kurzfassung
Diagram Design ist ein Agent-Skill für redaktionell komponierte HTML-/SVG-Grafiken, kein deterministischer Diagramm-Compiler. Das Projekt unterstützt laut aktuellem Repository 39 Diagrammtypen, unterlegt seine Designregeln mit einer ungewöhnlich breiten Testsuite und kam in meiner Reproduktion auf einen fehlerfreien Render-Sweep über 141 HTML-Dateien. Für Bloggrafiken und Präsentationen ist das interessant; für häufig geänderte, sauber diffbare Systemdokumentation bleibt Mermaid die robustere Basis.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Dateiendung. Sowohl Mermaid als auch Diagram Design können am Ende SVG ausgeben. Mermaid übersetzt jedoch eine kompakte Textsyntax mit einem Renderer in ein Diagramm. Bei Diagram Design interpretiert ein Sprachmodell Inhalt und Gestaltungsregeln und komponiert daraus HTML, CSS und SVG. Das ermöglicht individuellere Ergebnisse, kostet aber Reproduzierbarkeit.
Was ist Diagram Design?
Diagram Design ist ein kostenloser, unter der MIT-Lizenz veröffentlichter Agent-Skill von Cathryn Lavery. Er lässt sich in kompatible Coding-Agenten wie Claude Code, Codex und Pi integrieren. Das Repository enthält nicht nur eine Promptdatei, sondern ein Designsystem, Referenzen für Diagrammtypen, HTML-Beispiele sowie Python-Werkzeuge für Import und Qualitätsprüfung.
Die Projektbeschreibung grenzt sich mit dem Ausdruck „No Mermaid slop“ bewusst von generischen, automatisch erzeugten Kästen und Pfeilen ab. Das ist eine gestalterische Positionierung, kein technischer Benchmark. Die kuratierte Projektgalerie zeigt das Potenzial des Systems, aber nicht die durchschnittliche Qualität über verschiedene Modelle, Prompts und Wiederholungen hinweg.
| Kerndatum | Stand |
|---|---|
| Projektklasse | Agent-Skill plus Designsystem und Prüfwerkzeuge |
| Ausgabe | einzelne HTML-Datei mit Inline-CSS und Inline-SVG, optional SVG oder PNG |
| Diagrammtypen | 39 laut aktuellem README |
| Plugin-Version | 2.6.1 im Manifest |
| Skill-Version | 2.6 in `SKILL.md` |
| Lizenz | MIT |
| Releases und Tags | keine GitHub Releases und keine Git-Tags im geprüften Stand |
| Preis | Skillcode unter MIT kostenlos nutzbar; etwaige Client- und Modellkosten hängen vom Anbieter, Tarif oder lokalem Betrieb ab |
Die Versionsabweichung zwischen Manifest und Skill-Datei ist klein, aber relevant: Ohne Tags und Releases fehlt ein eindeutig benannter, unveränderlicher Paketstand. Der aktuelle `main`-Branch ist faktisch ein Rolling Release.
Wie funktioniert der Agent-Skill?
Die zentrale `SKILL.md` weist den Coding-Agenten an, Regeln für Layout, Typografie, Farben, Accessibility, Animation, Export und Komplexitätsbudgets zu beachten und für den konkreten Auftrag die passende Typreferenz zu laden. Dieser dokumentierte Progressive-Disclosure-Pfad soll vermeiden, dass die gesamte Referenzbibliothek in den Modellkontext gelangt; ob jedes kompatible Client-/Modellpaar ihn zuverlässig befolgt, wurde hier nicht Ende-zu-Ende geprüft.
Die Komposition erfolgt in zwei Schritten:
- Der Agent ordnet die Aussage einem semantischen Muster zu, etwa Datenfluss, Sicherheitsgrenze oder Engpass.
- Danach wählt er ein visuelles Layout und erzeugt den HTML-/SVG-Code.
Das Designsystem arbeitet unter anderem mit einem 4-Pixel-Raster, begrenzten Akzentfarben sowie Budgets für Knoten, Pfeile und Verschachtelung. Diese Grenzen sollen verhindern, dass der Agent jeden Inhalt in eine überladene Gesamtübersicht presst.
Das Resultat ist üblicherweise eine einzelne HTML-Datei. CSS liegt im Dokument, das Diagramm als Inline-SVG. Ein Build-Schritt ist für die Anzeige nicht nötig. Vollständig offline-identisch ist die Standardausgabe trotzdem nicht: Die Vorlagen referenzieren Instrument Serif, Geist Sans und Geist Mono über Google Fonts. Ohne Netz greifen System-Fallbacks. Andere Schriftmetriken können Zeilenumbrüche und Abstände verändern.
Genau hier verläuft die Grenze zum Compiler: Die Regeln schränken den Lösungsraum ein, aber das Sprachmodell setzt sie um. Ein erneuter Lauf kann Koordinaten, Formulierungen oder Gruppierungen ändern. Diagram Design erhöht die Wahrscheinlichkeit eines konsistenten Ergebnisses; es garantiert weder identischen Output noch eine optimale Informationsarchitektur.
Welche Diagrammtypen unterstützt Diagram Design?
Das aktuelle README zählt 39 Typen. Dazu gehören klassische technische Diagramme, analytische Darstellungen und redaktionelle Layouts.
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| Systeme und Software | Architektur, Deployment, Dependency Graph, UML Class, Database Schema, ER-Diagramm |
| Abläufe und Verhalten | Flowchart, Sequence, State Machine, Swimlane, User Journey, Kanban |
| Hierarchien und Beziehungen | Tree, Org Chart, Venn, Loop, Story Map |
| Daten und Analyse | Bar, Line, Scatter, Radar, Polar, Treemap, Sankey |
| Strategie und Ursachen | Quadrant, Funnel, Fishbone, Wardley Map, Timeline, Gantt |
„Diagrammtyp“ bedeutet hier überwiegend Layout- und Ausgabeziel. Hinter den Typen stehen nicht jeweils eigenständige Parser-Grammatiken. Das ist wichtig, weil die Fähigkeit, ein neues Gantt-Diagramm zu komponieren, nicht automatisch bedeutet, eine vorhandene Mermaid-Gantt-Datei korrekt importieren zu können.
Ältere Artikel und Repository-Flächen nennen teilweise weniger Typen. Das ist vor allem ein Symptom des schnellen Rolling-Release-Modells. Für den Funktionsumfang zählt der aktuelle Quellstand; für reproduzierbare Produktion sollte dagegen ein geprüfter Commit fixiert werden.
Wie installierst du Diagram Design?
Die folgenden Befehle stammen aus dem aktuellen Projekt-README. Ich habe die Paketstruktur und die strikte Claude-Plugin-Validierung geprüft, aber nicht jede Installation in jedem Client Ende-zu-Ende ausgeführt.
Für Claude Code werden die Kommandos innerhalb der Anwendung eingegeben:
/plugin marketplace add cathrynlavery/diagram-design
/plugin install diagram-design@diagram-design
Bei Drittanbieter-Marketplaces muss Auto-Update anschließend einmal aktiviert werden.
Für Codex dokumentiert das Projekt diese Befehle:
codex plugin marketplace add cathrynlavery/diagram-design
codex plugin add diagram-design@diagram-design
Ein sofortiges Marketplace-Update lässt sich laut README so anstoßen:
codex plugin marketplace upgrade diagram-design
Für Pi erfolgt die Installation direkt aus dem GitHub-Repository:
pi install https://github.com/cathrynlavery/diagram-design
Dieser ungetaggte Git-Install aktualisiert sich laut Projektdokumentation nicht automatisch. Dafür ist folgender Befehl vorgesehen:
pi update --extensions
Für produktive Umgebungen würde ich keinen beweglichen Repository-Stand blind aktualisieren. Sinnvoller ist ein intern geprüfter Commit oder ein eigener Mirror, der erst nach bestandenen Tests weitergezogen wird.
Was kann der Mermaid- und draw.io-Import wirklich?
Diagram Design stylt nicht einfach das Bild eines bestehenden Renderers um. Die mitgelieferten Python-Skripte lesen Mermaid-Text beziehungsweise draw.io-XML, extrahieren Knoten und Beziehungen und übergeben diese Struktur dem Agenten zur Neukomposition. Quellkoordinaten, Farben und Fonts werden bewusst nicht eins zu eins übernommen.
Der `mermaid_extract.py` unterstützt im geprüften Stand diese Mermaid-Familien:
- `flowchart` beziehungsweise `graph`
- `sequenceDiagram`
- `stateDiagram-v2`
- `erDiagram`
Gantt, Timeline, Journey und Class Diagram gehören nicht zu diesen Import-Grammatiken. Der Skill kann eine entsprechende Grafik neu erstellen, aber nicht zwingend eine vorhandene Mermaid-Datei dieser Familien strukturerhaltend einlesen. „Unterstützter Diagrammtyp“ und „unterstütztes Importformat“ sind deshalb zwei verschiedene Aussagen.
Beim Redraw lassen sich Ausgabeformat, Größe, Detailgrad und Zielgruppe steuern. Ein dokumentiertes Beispiel für Claude Code lautet:
/diagram-design:import-mermaid architecture.mmd --size=slide-16x9 --detail=simplified
Der Import soll außerdem ein Fidelity Ledger ausgeben: Es dokumentiert, welche Elemente zusammengeführt, vereinfacht oder entfernt wurden. Das ist sinnvoll, weil ein redaktionelles Redesign keine verlustfreie Konvertierung verspricht.
Für PNG reicht die portable HTML-Datei nicht aus. Der Exportweg im Repository benötigt Playwright und Chromium:
pip install playwright
playwright install chromium
HTML und SVG sind damit deutlich einfacher zu erzeugen und weiterzugeben als ein reproduzierbar gerendertes PNG.
Was zeigen die eigenen Tests?
Ich habe den unveränderten Commit `5538b35116bf5392cabe2cd68bdbc3cf3d09cc9a` geprüft. Die quellbasierte Testsuite, der Plugin-Pakettest und die strikte Claude-Plugin-Validierung liefen erfolgreich. Der Mermaid-Extraktor verarbeitete die mitgelieferte Fixture, und `self_check.py` akzeptierte ein Repository-Beispiel.
Der Playwright-Selbsttest bestand 25 von 25 Fällen. Im vollständigen Sweep wurden 141 HTML-Dateien ohne Finding gerendert. Auch der jüngste geprüfte GitHub-Actions-Lauf auf diesem Stand war erfolgreich.
Die technische Substanz geht damit deutlich über „guter Prompt plus schöne Beispiele“ hinaus:
| Qualitätsgate | Was es prüft |
|---|---|
| Quell-Linter | Design-, Struktur- und Accessibility-Regeln |
| Browser-Linter | tatsächlich gerenderten Inhalt, Überlauf, Clipping und Scriptfehler |
| Geometrieprüfung | überdeckte Beschriftungen und problematische Anordnung |
| Treemap-Prüfung | Flächentreue und Label-Überlauf |
| Sankey-Prüfung | Erhaltung der dargestellten Flüsse |
| Dokumentationsprüfung | Konsistenz von Routing, Referenzen und Paketinhalt |
| `self_check.py` | formale Prüfung neu generierter Artefakte beim Anwender |
Der CI-Workflow testet Parser, Linter, Browser-Rendering und Paketkonsistenz. Er misst aber nicht, ob Leser eine Grafik schneller verstehen oder als ästhetisch besser bewerten. Dafür wären kontrollierte Vergleichsläufe und Blindbewertungen nötig.
Mein Test belegt daher: Die mitgelieferten Artefakte und Prüfer funktionieren im getesteten Stand. Er belegt nicht, dass jedes Modell mit dem Skill bessere Diagramme erzeugt oder dass die Erstellung schneller als mit Mermaid oder Figma ist.
Diagram Design vs. Mermaid und manuelle Editoren
Diagram Design und Mermaid lösen unterschiedliche Probleme. Der sinnvolle Vergleich lautet nicht „welches Tool kann Kästen und Pfeile“, sondern „welcher Arbeitsgegenstand soll dauerhaft gepflegt werden“.
| Kriterium | Diagram Design | Mermaid | draw.io/Figma |
|---|---|---|---|
| Primärziel | redaktionell komponierte Einzelgrafik | reproduzierbares Diagram-as-Code | manuelle Gestaltung |
| Quelle | generiertes HTML/SVG | kompakte Textsyntax | Editor- beziehungsweise Designdatei |
| Determinismus | niedrig bis mittel, modellabhängig | hoch bei gleicher Renderer-Version und Konfiguration | manuell fixiert |
| Git-Diffs | möglich, aber durch SVG-Koordinaten unübersichtlich | sehr gut lesbar | schwach bis ungeeignet |
| Häufige Änderungen | Regeneration plus Review | kleine Textänderung plus Rendern | manuelle Nacharbeit |
| Markenlook | regelbasiert und agentisch anpassbar | über Themes begrenzt | vollständig kontrollierbar |
| Qualitätskontrolle | umfangreiche automatische Gates plus Review | Parser- und Renderer-Prüfung plus Review | überwiegend menschliches Review |
| Geeigneter Einsatz | Blog, Präsentation, einmalige Architektur- oder Prozessgrafik | codegekoppelte Dokumentation | hochwertige Einzelanfertigung mit manueller Kontrolle |
Mermaid gewinnt, wenn Diagramme nah am Code liegen, häufig geändert und in Pull Requests geprüft werden. Diagram Design gewinnt an Attraktivität, wenn eine einzelne Grafik zum visuellen Stil eines Artikels oder einer Präsentation passen soll und ein manueller Review ohnehin vorgesehen ist.
Der Import kann beide Ansätze verbinden: Mermaid bleibt die wartbare Quelle, Diagram Design erzeugt daraus einen redaktionellen Export. Dieser Export ist dann aber ein abgeleitetes Artefakt und sollte nicht zur neuen Quelle der Wahrheit werden.
Welche Einschränkungen und Risiken gibt es?
Ästhetik bleibt subjektiv
Die Beispiele zeigen klare Hierarchien, konsistente Typografie und großzügige Abstände. Kleine Labels können bei verkleinerter Darstellung trotzdem schwer lesbar werden. Zudem kann die einheitliche Editorial-Sprache selbst zu einem wiedererkennbaren Template-Look werden. Ohne Blindtest ist „sieht besser aus“ ein visuelles Urteil, keine gemessene Wirkung.
LLM-Ausgabe ist variabel
Ein Sprachmodell entscheidet über Typ, Gruppierung, Textkürzung und Koordinaten. Die Linter erkennen viele formale Fehler, aber keine missverständliche Schwerpunktsetzung. Jede fachlich relevante Grafik braucht deshalb ein inhaltliches Review.
Rolling Release erschwert Reproduktion
Im geprüften Stand gab es keine Releases und keine Tags. Gleichzeitig weichen Manifest-Version 2.6.1 und `SKILL.md`-Version 2.6 voneinander ab. Wer reproduzierbare Ergebnisse benötigt, sollte einen Commit pinnen oder das Paket intern spiegeln.
Webfonts beeinflussen Offline-Betrieb und Datenschutz
Die Standardvorlagen laden Google Fonts. Beim Online-Aufruf kann dadurch eine Verbindung zu Google entstehen. In Air-Gap-, Datenschutz- oder strikten CSP-Umgebungen sollten die Fonts lokal eingebunden oder konsequent durch getestete Systemfonts ersetzt werden. Ein bloßer Offline-Fallback garantiert kein pixelgleiches Layout.
Generiertes HTML ist Code
Die Importparser arbeiten textbasiert; der `drawio_extract.py` enthält Schutzmechanismen für die XML-Verarbeitung. Die ausgelieferten HTML-Assets können jedoch Scripts für Interaktion oder Animation enthalten. Agentisch erzeugte HTML-Dateien gehören daher vor dem Öffnen in privilegierten Browserkontexten oder vor dem Einbetten in eine Website geprüft.
Der Datenfluss bleibt beim Coding-Agenten
Diagram Design selbst enthält keinen eigenen KI-Backend-Aufruf. Im dokumentierten Importpfad parsen lokale Python-Skripte die Quelldatei; anschließend verarbeitet der Coding-Agent den ausgegebenen Strukturdigest und die Promptinhalte. Welche Teile davon an einen externen Modellprovider gesendet, gespeichert oder zum Training genutzt werden, hängt vom konkreten Client, dem verwendeten Cloud- oder lokalen Modell, Vertrag beziehungsweise Tarif und den jeweiligen Einstellungen ab – nicht von der MIT-Lizenz des Skills.
Für wen lohnt sich Diagram Design?
| Zielgruppe | Einschätzung |
|---|---|
| Technische Blogger | interessant für einzelne, hochwertige Erklärgrafiken |
| Dokumentationsteams | ergänzend zu Mermaid, wenn Editorial-Exports gebraucht werden |
| Entwickler mit vielen Mermaid-Dateien | Importumfang vorab an echten Dateien testen |
| Präsentations- und Enablement-Teams | sinnvoll, wenn SVG-/PNG-Export in den Workflow passt |
| Enterprise und Air-Gap | nur gepinnt oder gespiegelt, mit lokalen Fonts und Sicherheitsprüfung |
| Teams mit eigenem Designsystem | Style-Regeln anpassen und Ergebnisse nicht ungeprüft übernehmen |
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Diagram Design


Fazit
Diagram Design ist eines der technisch substanzielleren Beispiele dafür, wie ein Agent-Skill Designregeln, Referenzmaterial und automatisierte Qualitätsgates bündeln kann. Für Blogartikel, Präsentationen und sorgfältig geprüfte Einzelgrafiken würde ich es testen und wahrscheinlich als Exportwerkzeug einsetzen.
Als pauschalen Mermaid-Ersatz würde ich es nicht verwenden. Häufig geänderte Systemdiagramme sollten in einer kompakten, versionierbaren Quelle bleiben; Diagram Design kann daraus bei Bedarf einen redaktionellen Export erzeugen. Wer den Skill produktiv einsetzt, sollte außerdem einen Commit pinnen, Fonts lokalisieren und generiertes HTML wie Code behandeln. Der verwandte Artikel Superpowers für Coding-Agenten ordnet ein, warum Skills und Harnesses trotz guter Demos klare Beleggrenzen brauchen.