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KI-Chatbots und Datenschutz: Welche App sammelt die meisten Daten?
Surfshark-Studie zeigt: Meta AI sammelt 33 von 35 Datenkategorien, ChatGPT steigert Datenerfassung um 70 %. Vergleich aller großen KI-Chatbots mit Tabelle.
TL;DR: Eine aktuelle Analyse von Surfshark zeigt, wie viel Nutzerdaten die zehn beliebtesten KI-Chatbot-Apps im Apple App Store sammeln. Meta AI führt das Ranking mit 33 von 35 möglichen Datenkategorien an. ChatGPT hat seine Datenerfassung innerhalb eines Jahres um 70 Prozent gesteigert. Claude und DeepSeek liegen mit jeweils 13 Kategorien im unteren Bereich. 70 Prozent aller untersuchten Apps erfassen Standortdaten, 30 Prozent teilen Nutzerdaten mit Dritten.
Was hat Surfshark untersucht?
Der VPN-Anbieter Surfshark hat die Datenschutz-Labels im Apple App Store für die zehn beliebtesten KI-Chatbot-Apps ausgewertet. Apple verlangt von allen App-Anbietern eine standardisierte Offenlegung der gesammelten Datentypen. Surfshark hat diese Angaben systematisch verglichen und in 35 Datenschutz-Kategorien eingeteilt. Zusätzlich wurden die Datenschutzrichtlinien einzelner Anbieter wie ChatGPT und DeepSeek analysiert. Die Methodik basiert ausschließlich auf den Selbstangaben der Anbieter im App Store. Die tatsächliche Datenerfassung könnte abweichen. Dennoch bietet der Vergleich den derzeit umfassendsten Überblick über die Datenschutzpraktiken der großen KI-Chatbots.
Welche KI-Chatbots wurden verglichen?
Die Studie umfasst die zehn meistgenutzten Chatbot-Apps aus dem Apple App Store. Namentlich aufgeschlüsselt werden Meta AI, Google Gemini, ChatGPT, Claude (Anthropic), DeepSeek, Microsoft Copilot, Perplexity und Poe. Im Durchschnitt sammeln die untersuchten Apps 14 von 35 möglichen Datenkategorien.
Wie viele Daten sammelt jeder Chatbot?
Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind erheblich. Meta AI sammelt mit 33 von 35 Kategorien nahezu alle verfügbaren Datentypen. Google Gemini liegt mit 23 Kategorien auf dem zweiten Platz. ChatGPT erfasst 17 Kategorien, was einem Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht: Damals waren es nur 10 Kategorien. Im Mittelfeld befinden sich Claude und DeepSeek mit jeweils 13 erfassten Datentypen. Microsoft Copilot liegt mit 12 Kategorien knapp darunter. Poe kommt auf 14 Datentypen. | Chatbot | Datentypen | Anteil | | --- | --- | --- | | Meta AI | 33 von 35 | ca. 95 % | | Google Gemini | 23 von 35 | ca. 66 % | | ChatGPT | 17 von 35 | ca. 49 % | | Poe | 14 von 35 | ca. 40 % | | Claude | 13 von 35 | ca. 37 % | | DeepSeek | 13 von 35 | ca. 37 % | | Microsoft Copilot | 12 von 35 | ca. 34 % | | Durchschnitt | 14 von 35 | ca. 40 % |
Welche Datentypen werden erfasst?
Apple unterteilt die Datenschutz-Labels in 35 Kategorien. Die Studie zeigt, welche davon bei KI-Chatbots besonders häufig vorkommen. Standortdaten: 70 Prozent der untersuchten Apps erfassen den Standort. Präzise Standortdaten sammeln dabei nur vier Apps: Google Gemini, Meta AI, Microsoft Copilot und Perplexity. Sensible Informationen: Meta AI und Google Gemini erfassen besonders heikle Datenkategorien. Dazu zählen ethnische Herkunft, sexuelle Orientierung, Schwangerschaft, Behinderung, religiöse Überzeugungen, politische Meinungen, genetische Informationen und biometrische Daten. Finanzdaten: Meta AI ist die einzige App im Vergleich, die Daten aus der Kategorie Finanzinformationen erhebt. Kontaktinformationen und Suchverlauf: Die meisten Apps sammeln E-Mail-Adressen, Telefonnummern sowie Such- und Browserverlauf. Diese Daten fließen häufig in die Personalisierung der Antworten ein. Audiodaten: Chatbots mit Sprachfunktion erfassen naturgemäß Audiodaten. Die Speicherdauer und Verarbeitung dieser Daten unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen den Anbietern.
Welche Apps teilen Daten mit Dritten?
30 Prozent der untersuchten KI-Chatbot-Apps geben Nutzerdaten an Dritte weiter. Diese Weitergabe erfolgt laut den App-Store-Labels für gezielte Werbung, Messzwecke oder an Datenbroker. ChatGPT nennt in seinen App-Store-Labels explizit zwei Datenkategorien, die für Drittanbieter-Werbung genutzt werden. Meta AI sammelt zwar die meisten Daten insgesamt, die genauen Details zur Weitergabe an Dritte sind in den Labels weniger granular aufgeschlüsselt. Ein wichtiger Punkt: Bezahl-Abonnements wie ChatGPT Plus oder Claude Pro reduzieren die Datenerfassung nicht. Die gesammelten Datentypen bleiben bei kostenlosen und kostenpflichtigen Versionen identisch.
Was macht Meta AI zum Datenkönig?
Meta AI sticht mit 33 von 35 Datenkategorien deutlich heraus. Der Grund liegt in Metas Geschäftsmodell: Das Unternehmen finanziert sich primär über Werbung. Die umfangreiche Datensammlung dient der Erstellung detaillierter Nutzerprofile für personalisierte Werbung im gesamten Meta-Ökosystem: Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads. Meta AI ist zudem die einzige Chatbot-App, die Finanzdaten erhebt. Zusammen mit den sensiblen Kategorien wie ethnische Herkunft, religiöse Überzeugungen und politische Meinungen entsteht ein umfassendes Profil, das weit über die reine Chatbot-Nutzung hinausgeht.
Warum hat ChatGPT die Datenerfassung so stark erhöht?
ChatGPT sammelt aktuell 17 von 35 Datenkategorien. Vor einem Jahr waren es noch 10. Das entspricht einem Anstieg von 70 Prozent. Die Erweiterung fällt zeitlich mit der Einführung neuer Features zusammen: Sprachinteraktion, Bildgenerierung, Plugins und die Integration mit externen Diensten. Jedes dieser Features erfordert zusätzliche Datenpunkte. Gleichzeitig hat OpenAI das Werbegeschäft ausgebaut. ChatGPT listet erstmals zwei Datenkategorien explizit für Drittanbieter-Werbung. Die Entwicklung zeigt einen Trend: Je mehr Funktionen ein Chatbot bietet, desto mehr Daten erhebt er.
Wie schneidet Claude im Vergleich ab?
Claude von Anthropic gehört mit 13 von 35 Datenkategorien zu den datensparsameren Chatbots. Die erhobenen Daten sind laut der Analyse primär funktional notwendig: Kontaktinformationen für die Kontoerstellung, Nutzungsdaten für die Verbesserung des Dienstes und technische Identifikatoren. Sensible Kategorien wie ethnische Herkunft, Finanzdaten oder präzise Standortdaten werden von Claude nicht erfasst. Anthropic positioniert sich seit der Gründung als sicherheitsorientiertes KI-Unternehmen. Die vergleichsweise geringe Datensammlung spiegelt diese Ausrichtung wider. Wer sich für datenschutzfreundliche KI-Tools im Unternehmenskontext interessiert, findet im Artikel über Langdock als Enterprise-KI-Plattform einen detaillierten Vergleich.
Was ist das Problem mit DeepSeek?
DeepSeek sammelt mit 13 Datenkategorien genauso viele Datentypen wie Claude. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Menge, sondern im Rechtsrahmen. DeepSeek ist ein chinesisches Unternehmen und unterliegt weder der europäischen DSGVO noch vergleichbaren Datenschutzgesetzen. Alle Nutzerdaten werden auf Servern in China gespeichert. Die chinesische Regierung kann laut dem National Intelligence Law von 2017 jederzeit Zugriff auf Unternehmensdaten verlangen. Für europäische und amerikanische Nutzer bedeutet das: Die gleiche Datenmenge bei DeepSeek birgt ein grundlegend anderes Risiko als bei einem Anbieter in der EU oder den USA.
Wie merken sich Chatbots persönliche Daten?
Neben der App-Store-Analyse hat Surfshark in einer separaten Studie untersucht, wie gut Chatbots persönliche Informationen aus Gesprächen langfristig speichern. Dazu wurden 30 Testskripte mit jeweils sechs Skripten pro Chatbot durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede. Grok führt das Ranking an und merkte sich 53 von 54 geteilten Fakten korrekt. Perplexity erinnerte sich an 50 Fakten, ChatGPT an 47, Meta AI an 29 und Google Gemini an 26. Die Tests umfassten acht persönliche Datenkategorien: Name, Alter, Beruf, Gehalt, Kontaktdaten, Hobbys, Standort und physische Merkmale. Die Erkenntnis: Chatbots sammeln nicht nur die Daten, die in den App-Store-Labels stehen. Sie speichern auch Informationen, die Nutzer freiwillig in Gesprächen preisgeben. Wer seinem Chatbot Gesundheitsprobleme, finanzielle Sorgen oder politische Ansichten anvertraut, füttert dessen Gedächtnis mit sensiblen Daten, die in keinem Privacy-Label auftauchen.
Wie lassen sich die eigenen Daten schützen?
Vollständiger Datenschutz bei der Nutzung von KI-Chatbots ist praktisch nicht möglich. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Risiko deutlich reduzieren. - Datensparsamkeit: Keine persönlichen Informationen wie vollständige Namen, Adressen, Gesundheitsdaten oder Finanzdaten in Chat-Eingaben verwenden. - Chatverlauf deaktivieren: ChatGPT, Claude und andere Anbieter bieten Optionen, den Chatverlauf nicht für das Modelltraining zu nutzen. Diese Einstellungen sind standardmäßig oft deaktiviert. - Memory-Funktionen prüfen: Viele Chatbots speichern Fakten aus Gesprächen in einem persistenten Gedächtnis. Diese Funktion lässt sich bei den meisten Anbietern deaktivieren oder gezielt löschen. - App-Berechtigungen einschränken: Standortzugriff, Mikrofonzugriff und Kontaktzugriff lassen sich in den Geräteeinstellungen gezielt verweigern. - Anbietervergleich nutzen: Die Wahl des Chatbots ist eine Datenschutzentscheidung. Zwischen 12 und 33 erfassten Datenkategorien liegt ein erheblicher Unterschied.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Studie
Wer hat die Studie durchgeführt? Die Analyse stammt vom VPN-Anbieter Surfshark. Grundlage sind die offiziellen Datenschutz-Labels im Apple App Store sowie die Datenschutzrichtlinien der Anbieter. Welche KI-Chatbots wurden untersucht? Die zehn beliebtesten KI-Chatbot-Apps im Apple App Store. Namentlich aufgeführt werden Meta AI, Google Gemini, ChatGPT, Claude, DeepSeek, Microsoft Copilot, Perplexity und Poe. Sammeln kostenpflichtige Versionen weniger Daten? Nein. Laut der Studie ändert ein Upgrade auf ChatGPT Plus, Claude Pro oder andere Bezahl-Abonnements nichts an den erfassten Datenkategorien. Ist Claude datenschutzfreundlicher als ChatGPT? Claude erfasst 13 von 35 Datenkategorien, ChatGPT 17. Claude verzichtet auf sensible Kategorien wie ethnische Herkunft oder Finanzdaten. In dieser Hinsicht ist Claude die datensparsamere Option. Warum ist DeepSeek trotz weniger Datentypen problematisch? DeepSeek sammelt 13 Datenkategorien, unterliegt aber keinem mit der DSGVO vergleichbaren Datenschutzrecht. Alle Daten werden auf chinesischen Servern gespeichert und können von der Regierung eingefordert werden. Kann man die Datenerfassung durch KI-Chatbots komplett verhindern? Nicht bei Nutzung der Apps. Bestimmte Daten wie Geräte-IDs und Nutzungsdaten werden bei allen Anbietern erhoben. Die Erfassung lässt sich jedoch durch deaktivierte Chatverlauf-Speicherung, eingeschränkte App-Berechtigungen und bewusste Datensparsamkeit in Eingaben deutlich reduzieren.
Fazit
Die Surfshark-Studie macht sichtbar, was bei der täglichen Chatbot-Nutzung oft unsichtbar bleibt: KI-Assistenten sammeln erhebliche Mengen persönlicher Daten. Die Spanne reicht von 12 bis 33 Datenkategorien. Meta AI erfasst fast alles, Claude und Copilot zeigen, dass ein sparsamerer Ansatz möglich ist. Besonders alarmierend ist der 70-prozentige Anstieg bei ChatGPT innerhalb eines Jahres. Der Trend zeigt klar in eine Richtung: Je mehr Funktionen ein Chatbot bekommt, desto mehr Daten erhebt er. Die Wahl des KI-Assistenten ist längst auch eine Datenschutzentscheidung.